Wer gewinnt in der Zugewinngemeinschaft?

Wer gewinnt in der Zugewinngemeinschaft?

Wohnungseigentum und Ausgleichsansprüche im Scheidungsfall

Das Ende einer Ehe bringt oft ein hohes Maß an psychischer Belastung und Stress mit sich. Oft erkennen sich Eheleute während einer Scheidung gegenseitig nicht wieder, wenn es daran geht, wie die gemeinsame Eigentumswohnung oder das gemeinsam erworbene Haus fortan genutzt werden soll. Um Streitereien möglichst schnell auszuräumen, zumindest aber in geordnete Bahnen zu lenken, sollte man sich im Scheidungsfall über die rechtlichen Rahmenbedingungen im Klaren sein. Der Gesetzgeber kann zwar die Ehe nicht reparieren, aber er hat vorgesorgt, damit niemand gänzlich übervorteilt werden kann.

Der Güterstand

Beim Streit um eine gemeinsame Immobilie muss zunächst einmal geklärt werden, in welchem Güterstand sich das (Noch-)Paar befindet.

Ein mittlerweile kaum noch anzutreffender Güterstand ist die Gütergemeinschaft, bei der sämtliches Vermögen als gemeinschaftliches Eigentum gilt. Um in Gütergemeinschaft zu leben, muss ein entsprechender Ehevertrag aufgesetzt und notariell beglaubigt werden. 

Ebenfalls notarieller Form bedarf die Entscheidung für ein Eheleben in Gütertrennung. In diesem Fall bleiben die Vermögen der Eheleute getrennt. Im Scheidungsfall ergeben sich also gegen keine Seite Ausgleichsansprüche. Eigentumswohnung und Haus sind dementsprechend das alleinige Eigentum dessen, der als Eigentümer im Grundbuch vermerkt ist. Seit 2002 jedoch besteht die Möglichkeit, eine Immobilie in Eigentümerpartnerschaft zu erwerben und zwei Eigentümer im Grundbuch eintragen zu lassen.

Sind keine anderslautenden Eheverträge abgeschlossen worden, dann gilt für ein verheiratetes Paar der Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Hierbei gilt, dass bei einer Scheidung lediglich das während der Ehezeit erworbene Vermögen ausgeglichen wird. Dies geschieht anhand einer einfachen Formel, die das Anfangsvermögen und Endvermögen der Ehegatten vergleicht: Zugewinn = Endvermögen – Anfangsvermögen. Der Zugewinn kommt dann beiden Partnern zu gleichen Teilen zu.

Wem gehört die Wohnung – was muss wer zahlen?

Entscheidend für die Eigentumsverhältnisse der Eigentumswohnung ist in jedem Fall, wer im Grundbuch eingetragen ist. Allerdings kann der Partner, der nicht Eigentümer der Wohnung ist, beim Familiengericht einen Antrag auf unbillige Härte stellen und verlangen, dass ihm bzw. ihr die Wohnung fürs Erste zum alleinigen Gebrauch überlassen wird. Solche Anträge haben beispielsweise dann Chance auf Erfolg, wenn Kinder in der Wohnung leben, deren psychisches Wohl durch andauernde Ehestreitigkeiten gefährdet wäre. Allerdings muss der in der Wohnung verbleibende Partner dann eine Miete an den Wohnungseigentümer zahlen.

Wurde die Wohnung im Laufe der Ehejahre angeschafft, ist mit großer Wahrscheinlichkeit außerdem ein Zugewinnausgleich fällig. Wurden sonst keine Vermögenswerte angesammelt, beläuft sich der Zugewinn auf den Verkehrswert der Wohnung. Nehmen wir an, der Ehemann hätte während der Ehe eine Eigentumswohnung im Wert von 100.000€ erworben und sich als Eigentümer ins Grundbuch eintragen lassen. Einige Jahre später zerbricht die Ehe und die Frau reicht die Scheidung ein. Wurden in der Zwischenzeit von den Eheleuten keine weiteren Vermögenswerte angehäuft, dann beläuft sich der Zugewinn des Mannes auf 100.000€, der Zugewinn der Frau ist null. In diesem Fall kann die Frau gegen ihren Mann Ansprüche auf die Hälfte des Zugewinns, also 50.000€, geltend machen. Kann der Mann diesen Betrag nicht aufbringen, kann das unter Umständen dazu führen, dass die Wohnung verkauft werden muss.

Lydia Ishikawa Immobilien GmbH

Senior Immobilienmakler,

Lydia Ishikawa immobilien,

Frankfurt

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